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Ein Balanceakt: Der Alltag zwischen Leistungssport und Uni

National-Hockeyspielerin Marie Mävers verrät, wie sie ihre Zeit zwischen Leistungssport und Uni einteilt ohne den Kopf zu verlieren und welche Rolle eine gesunde Ernährung für die Olympionikin spielt.

Von Marie Mävers

7.15 Uhr: Der Wecker klingelt. Kaffee und einen Breakfast Cookie auf die Hand und dann geht es in die Alsterdorfer Sporthalle.
8 Uhr: Kraft- oder Sprinttraining, je nach Wochentag – danach gibts einen schnellen PURYA! High Protein Shake Vanille.
9:30 Uhr: Fix duschen und ab in die Uni. Frühstück (z.B. eine leckeres Bircher Müsli) wird meistens im Auto gegessen.
15:30 Uhr: Endlich zu Hause und kurz Zeit ein spätes Mittagessen zu Kochen, das für den Rest des Tages vorhalten muss.
18 Uhr: Abfahrt zum Hockeytraining!
22 Uhr: Zurück daheim wird rasch noch ein schnelles Abendessen zubereitet, denn der Wecker klingelt morgen wieder um 7:15 Uhr…

Disziplin und Training allein, machen keine Olympia-Sportlerin

So verliefen meine Tage vor den Olympischen Spielen in Rio, und zwar jeder einzelne Tag. Hinzu kamen Bundesligaspiele am Wochenende plus rund 100 Lehrgangstage mit der Nationalmannschaft. Ich will mich nicht beschweren, denn das was ich in tagtäglicher Disziplin für meine Fitness und technische Hockey-Finesse tue, macht mich zu einer Leistungssportlerin und zu einer Olympia-Teilnehmerin. Trotz der vielen Aufgaben und wenig Zeit, lege ich großen Wert darauf mich gesund zu ernähren. Denn mein Körper ist meine Basis, mein Motor. Deshalb habe ich im Leistungssport über Jahre mit Ernährungsberatern und anderen Sportlern aus aller Welt, an der perfekten Ernährung gearbeitet.

Auch wenn ich feststellen musste, dass es die eigentlich nicht gibt und jeder Körper unterschiedlich ist, habe ich meinen Körper so gut kennen und schätzen gelernt wie nie zuvor. Auf meinem Food Blog www.marymedeli.com teile ich diese Erfahrungen und Rezepte mit meinen Lesern.

Essen to-go

An meinem Tagesablauf lässt sich leicht erkennen, dass ich mir mein Essen häufig to go mitnehme. Das erfordert ein bisschen Planung. Abends vorm Schlafen, gehen noch schnell 5 Minuten fürs Anrühren eines Bircher Müslis drauf. Am „freien“ Sonntag stehe ich schon mal für ein paar gesunde Snacks in der Küche z.B. für leckere Breakfast Cookies.

Die Mannschaft wird zur zweiten Familie

Wenn ich gefragt werde, wie ich Studium und Leistungssport vereinbare, ist oft gemeint, ob ich noch Zeit für Freunde, Familie und Freizeit hätte. Ich antworte meistens folgendes: „Es erfordert sehr viel Organisation und Disziplin. Zeit für Freunde und Familie kommt auf jeden Fall zu kurz, aber das Tolle an einer Teamsportart ist, dass die Mannschaft meine zweite Familie, meine besten Freunde sind.“ Es gibt aber auch eine andere Antwort. Sie entspringt meinen Erinnerungen an Olympia und erzählt sich wie folgend:

Wir stehen im Halbfinale der Olympischen Spiele. Eine Stunde haben wir bereits in der Mittagshitze Rios gespielt, das Spiel gegen die Holländerinnen ist abgepfiffen, aber noch nicht entschieden. Es steht 1:1 und das bedeutet: Penalty-Schießen. Angreifer laufen mit dem Ball auf den herausstürmenden Torwart zu und haben acht Sekunden, den Ball im Tor unterzubringen. Jedes Team hat fünf Versuche, wer häufiger trifft, kommt ins Finale.

Alle sind groggy. Nur das Adrenalin hält uns auf den Beinen. Als der Trainer fragt, wer sich das Penalty-Schießen zutraut, hebe ich wie in Trance meine Hand. Ich stehe kurz darauf mit ausgetrocknetem Mund an der Viertellinie, 22 Meter vom Tor entfernt.

Ein Pfiff. Ich bin wohl losgelaufen, das beweisen die Videobilder, aber daran erinnere ich mich nicht mehr. Doch das riesige Gefühl der Erleichterung, als der Ball über die Torlinie kullert, werde ich mein Leben wohl nicht vergessen.

Nach zehn Schützen steht es wieder unentschieden. Sudden Death: Wer vergibt ist raus. Ich muss noch mal an die Viertellinie, und diesmal vergebe ich. Das Spiel ist vorbei. Und wir sind raus.

Adrenalin-Kick

Das hört sich vielleicht furchtbar an, aber von diesen Adrenalin-Kicks lebt ein Leistungssportler. Der Glücksrausch nach einem Sieg und die Frustration nach einer bitteren Niederlage, liegen oft sehr eng beieinander. Es geht darum Niederlagen und andere Rückschläge wegzustecken: Zwei Tage nach der Niederlage gegen Holland, die keine von uns je vergessen wird, gewinnen wir Bronze, 2:1gegen Neuseeland.

Meine Alltags-Rezepte und Erfahrungen teile ich auf meinem Food Blog www.marymedeli.com